Zeit, 2016

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„alles ist ein Kreis“

(Eine Kiste voller Dias im Jahre 2016 - geerbt von Richard Wake (s.u.))

Zu Beginn meiner Lehrtätigkeit am Ratsgymnasium Osnabrück im Jahre 2000 erhielt ich von meinem Vorgänger die abgebildete Kiste mit zahlreichen von ihm im Unterricht eingesetzten Dias zur Kunstgeschichte.

Zwischen Richard Wake und mir fand allerdings ein Einschnitt statt, der Beginn des digitalen Zeitalters. Noch immer bin ich im Besitz der geerbten Dias.[nbsp]

Mit dem gezeigten Objekt aus Dias möchte ich einerseits an den Künstler Richard Wake erinnern und andererseits dem Dia, einem Relikt einer vergangenen Zeit, noch einmal Raum verschaffen.

Selbst verwandelte Wake Objekte des täglichen Lebens wie Stühle, Tische, Zeitungen, Räder oder Gießkannen zu Kunstwerken (s.u.).

In diesem Sinne beginnt meine und eure spielerische Auseinandersetzung mit einer Kiste voller Dias…Bedient euch ebenfalls (siehe Kiste) und lasst euch inspirieren!

 

Künstler und Kunsterzieher

Richard Wake im Alter von 80 Jahren verstorben

Osnabrück. 1935 wurde er in Kapstadt geboren, seit 1983 lebte und arbeitete er in Osnabrück: Der Künstler und Kunsterzieher Richard Wake starb im Alter von 80 Jahren.

Seine Kunst lebt weiter. Auf dem Vorplatz des Terminals am Flughafen Münster/Osnabrück ragt eine zweiteilige Skulptur aus Cortenstahl empor. Sie symbolisiert die Städte Münster und Osnabrück, in denen das Ende des Dreißigjährigen Krieges verhandelt wurde. Das monumentale Kunstobjekt, geschaffen von Richard Wake, trägt den Titel „Westfälischer Frieden“.

Auch am Osnabrücker Piesberg realisierte der Künstler ein Stahlobjekt, das dort zu besichtigen ist. Es erinnert an die Schaufel eines riesigen Radladers, wie sie im nahe liegenden Steinbruch eingesetzt werden. Der dreieckige Stahlkorpus, der im Rahmen eines Kunstprojekts zur EXPO 2000 entstand, ist mit Felsbrocken angefüllt, die der Künstler am Piesberg zusammensuchte. „Wake ist tagelang durch den Steinbruch gepirscht, um die passenden Steine auszusuchen“, erinnert sich Rolf Spilker, Direktor des Museums Industriekultur, der das Kunstprojekt konzipiert hatte.

Seit 1983 lebte Richard Wake in Osnabrück und prägte das Kunstleben im öffentlichen Raum und auch in Galerien und Museen. Zahlreiche Ausstellungen, zum Beispiel in der Kunsthalle Dominikanerkirche sowie in der Stadtgalerie Große Gildewart, widmeten sich der Objektkunst des gebürtigen Südafrikaners. Nach seinem Studium an der Michaelis School Of Fine Arts in Kapstadt absolvierte er in den 1960er Jahren ein Stipendium in Deutschland, kehrte aber bald nach Kapstadt zurück. Die dortige Apartheid-Situation veranlasste ihn jedoch nach einer abgelehnten Teilnahme an der Biennale in Venedig, in Deutschland ansässig zu werden. Zusammen mit seiner Frau Ursula, die er 1962 geheiratet hatte, arbeitete er zunächst in Lingen als Kunsterzieher, von 1983 bis 2000 war er am Osnabrücker Ratsgymnasium tätig.

Objekte des täglichen Lebens wie Stühle, Tische, Zeitungen, Räder oder Gießkannen verwandelte er zu Kunstwerken. „Die Zerreißprobe zwischen Tasten und Sehen, die Wakes Skulpturen auslösen, verleiht ihrer Gestalt eine geheime Kraft, die in das Verhältnis von Empirie und Imagination einführt“, hatte der Kunsthistoriker Franz-Joachim Verspohl 1989 über die[nbsp]Eisenbildhauerei des Richard Wake geschrieben. Am 17. Februar 2016 verstarb Richard Wake im Alter von 80 Jahren.

NOZ / Tom Bullmann / 22.02.2016