Kindheitserinnerungen gegen Folter

Neue Osnabrücker Zeitung

Von Anne Reinhert

Noch überlegt Isa Thalstein, wie sie die T-Shirts ihrer Installation hängen soll. Zwei Tage vor Ausstellungseröffnung arbeiten die Künstler Thalstein, Werner Kavermann und Sonia Wolfahrth Steinert noch daran, was wo zu sehen sein wird. Zu den Objekten von vier Osnabrücker Künstlern kommen Beiträge aus Tunesien, Schweden und von zwei Exil-Tibetern.

Anlass der kleinen, aber feinen internationalen Ausstellung „Zwei Räume – Menschenrechte“ sind die Olympischen Spiele in China und die aggressive Tibet-Politik des Landes. Entsprechend wird die Ausstellung im Vorraum von einem tibetischen Thangka, einem Rollbild des tantrischen Buddhismus, eröffnet. Aus kleinen Stoffteilen hat die in Tibet geborene Künstlerin Chirok Tharmu das Bild einer Schutzgottheit entworfen. Von ihrem Mann Dhundub Migmar Khanser sind außerdem Thangkamalereien zu sehen. Die beiden Exil-Tibeter leben in Diepholz.
Weniger traditionell geht es im Raum nebenan weiter, wo sechs weitere Künstler ausstellen. Isa Thalstein wirbt etwa mit Silhouetten vom Aussterben bedrohter Tiere für die Menschenrechte. „Silent demonstrations of endangered animals for human rights“ nennt sie die neun T-Shirts im Miniaturformat, die hier als Zeichen der Protestkultur zu verstehen sind. Dazu kommt der Slogan „Love all Beings“ (Liebe alle Wesen). Auf den ersten Blick brutal wirkt Werner Kavermanns Beitrag: Er hat ein weißes Stoffhäschen unter drei metallene Halbringe gequetscht. „Wait“ steht auf einem Schild darunter – und zu denken ist an das Warten auf das Ende der Gewalt.
Dadurch, dass Kavermann dieses niedliche Etwas in eine solche Situation bringt, steigert er den Eindruck der Grausamkeit von Gewalt und Folter. Von ihm kommt außerdem eine Videoinstallation mit Skizzen, in denen es wieder um Gewalt und Unterdrückung geht. 
Sonia Wolfahrth Steinert hat meditierende Menschen fotografiert. Indem sie daneben deren Aussagen zum Thema Menschenrechte stellt, schlägt sie den Bogen vom Buddhismus zum Ausstellungsthema. Mit einer Handykamera hat sie außerdem Exil-Tibeter aufgenommen. Wolfahrth Steinert bietet Ausstellungsbesuchern aber nicht nur Kunst, sondern auch Information: Sie hat Beiträge zum Tibetkonflikt gesammelt und stellt sie zur Verfügung. 
Menschenrechtsverletzungen gibt es auch anderswo auf der Welt. In Tunesien ist es nicht selbstverständlich, frei die Meinung äußern zu dürfen. So zeigt der Beitrag der Tunesierin Mouna Jemal Siala einen Jungen hinter einem Netz, das an einen Stacheldraht erinnert. Auf dem Bild daneben spiegeln sich die Betrachter selbst in dieser Netzstruktur. „Welche Rolle spielst du?“, will die Künstlerin damit fragen.
Kofferbänder macht die derzeit in Schweden lebende Christine Wamhof in ihrer Installation zum Zeichen der Reisefreiheit. Kreuz und quer, wie es diese Freiheit eben erlaubt, hängen die Bänder an der Wand. Doch nicht alle Menschen haben die Möglichkeit des unbeschränkten Reisens. Auch das macht Wamhof deutlich.
Morgen reist außerdem noch die schwedische Künstlerin Stina Stigell aus Stockholm mit einem Beitrag an. „Kupferdiebe“ heißt er und zeigt im Kleinformat die Lebenssituation eines Obdachlosen. Morgen bei der Ausstellungseröffnung wird der Beitrag zu sehen sein.


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