Gerade da - und schon wieder weg

Neue Osnabrücker Zeitung

Wie praktisch: Christine Hoffmann hat ihr Landschaftsbild gleich in handliche Stückchen aufgeteilt und Einwickelpapier bereitgelegt. Wer will, nimmt ein Stück - und bringt so ein Kunstwerk zum Verschwinden. "Über das Verschwinden" heißt gleich die ganze Ausstellung mit Werken von Osnabrücker Künstlerinnen und Künstlern.

Damit ist weit mehr gemeint als ein halb ironischer, halb trauriger Kommentar auf das Verschwinden der gastgebenden Galerie Ecart, die zum Jahresende ihre Räume in der Neulandstraße schließt. Galeristin Valérie Schwindt-Kleveman will mit temporären Projekten weitermachen.

Gleiches gilt für eine ganze Gruppe von Künstlern, die sich wechselnde Schauplätze für ihre Präsentationen suchen. Zuletzt das ehemalige "Brinkmann"-Kaufhaus, nun eine Galerie und obendrein ein verbindendes Thema - fertig ist das Spontankonzept für eine geistreiche Präsentation.

Denn die leuchtet ein Thema höchst beziehungsreich aus. Michael Flatau etwa bohrt ein Loch in einen Steinblock und eröffnet so den Blick auf ein winziges Video. Werner Kavermann dagegen schreibt einfach in immer kleiner werdenden Lettern "Ich muss auch mal verschwinden" auf den Boden und lässt diese Schrift auf das Türchen eines Miniaturhäuschens zulaufen. Auszeit in der Klausur oder der Tod als engültiges Verschwinden? Wie andere Arbeiten auch hält dieser Beitrag das Ausstellungsthema pfiffig in der Schwebe.

Dabei wird das Thema des Verschwindens nicht allein auf Motive, sondern auch auf Verfahrensweisen bezogen. Marion Tischler baut ihre Bilder aus Schichtungen auf, die ihren Ausgang von einer Fotokopie nehmen - und sie dann verschwinden lassen. Eva Preckwinkel und Robert Stieve nehmen die Sache ganz wörtlich und kombinieren Kindermaltafeln zu dem fragmentarischen Bild von Leonardos Proportionenmann. Das Motiv jeder Tafel lässt sich durch einen Handgriff wieder löschen. Kunst erweist sich so als vorübergehendes Phänomen der Sichtbarkeit vor dem Vergehen - eine fast schon philosophische Perspektive.

So lässt sich die Ausstellung, zu der noch Arbeiten von Frank Gillich, Ines Vitt, Christine Wamhof und Monika Witte gehören, als Paraphrase auf den Zustand einer ganzen Kunstszene verstehen. Denn die befindet sich in höchst unsicherem Zustand, wird in Einzelaktionen sichtbar und verschwindet dann wieder aus dem Rampenlicht. Die Künstlerinnen und Künstler, die nun in der Galerie Ecart ausstellen, reagieren konsequent auf diesen Zustand. Neben die Werke haben sie ihre Namen mit Bleistift geschrieben - baldige Entfernung inklusive.

Galerie Ecart, Neulandstr. 12: Über das Verschwinden.


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